Armut macht krank!

Diese Erkenntnis ist seit langem bekannt. Im Laufe der Corona-Pandemie zeigt sich, dass nicht nur ein hohes Lebensalter ein relevanter Risikofaktor ist, sondern dass auch arme Menschen überdurchschnittlich oft einen schweren Krankheitsverlauf haben.

Diesen Zusammenhang belegen wissenschaftliche Studien, vor allem aus Großbritannien und den USA. Für Deutschland fand ein Team der Uni Düsseldorf und der AOK in einer Studie heraus, dass langzeitarbeitslose Menschen, die HartzIV beziehen weitaus häufiger wegen Covid-19 ins Krankenhaus müssen, als Menschen, die Arbeit haben.

Für Hamburg haben wir in einer Schriftlichen Kleinen Anfrage erfragt, in welchen Stadtteilen besonders viele Menschen wegen einer Covid-19-Erkrankung ins Krankenhaus kamen, dort auf die Intensivstation mussten und starben.

Die Ergebnisse sind teilweise in ihrer Deutlichkeit erschreckend. In Wilhelmsburg/Veddel z.B. kamen Menschen mehr dreimal so oft wie im Hamburger Durchschnitt in Krankenhaus, mehr als zweieinhalbmal so oft mussten sie auf die Intensivstation. Auch Menschen etwa aus Billstedt mussten deutliche häufiger als im Hamburger Durchschnitt im Krankenhaus, sogar auf Intensivstation behandelt werden. In allen drei Stadtteilen leben Menschen, die von der sozialen Spaltung getroffen werden, sie sind besonders häufig arm, arbeitslos, leben in engen Wohnungen und erfahren weitere Benachteiligungen, wie z.B. Rassismus.

Wie hoch die Infektionszahlen in Veddel, Wilhelmsburg oder Billstedt sind, wird nicht veröffentlicht, was wir wissen ist, dass Schüler:innen an Stadtteilschulen doppelt so oft infiziert werden als an Gymnasien und dass bei einem Corona-Ausbruch an einer Stadtteilschule auf der Veddel mehr als 90 Menschen infiziert wurden.

Wir können diese Situation so nicht hinnehmen! Was wir jetzt brauchen:

  • Kostenlose Testkapazitäten in besonders benachteiligten Stadtteilen, damit Menschen ihre Infektionen schneller erkennen können und die Infektionskette unterbrechen können.
  • Bereitstellung von Quarantäne-Wohnraum für Menschen in beengten Wohnverhältnissen
  • Interdisziplinäre Stadtteilgesundheitszentren mit auskömmlicher Finanzierung in benachteiligten Stadtteilen
  • Präventions-Strategien, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen und Lebensrealitäten von Menschen orientieren, die von Armut und anderen Benachteiligungen betroffen sind. Dazu brauchen wir auch eine kleinräumigere Veröffentlichung und Analyse von Infektionszahlen. Bremen macht es gerade vor.

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